Zum Abflug öffnet ein Käfer normalerweise zuerst seine Flügeldecken. Dieser hier nicht.
Cetonia aurata, der Goldglänzende Rosenkäfer, entfaltet seine Hinterflügel durch eine Einbuchtung am Seitenrand der Flügeldecken, hinter der Schulter. Die Flügeldecken bleiben dabei geschlossen. Unter Käfern ist das ungewöhnlich. Eine Stammbaumstudie von 2016 bringt diesen Flugmodus mit einer abgestimmten Veränderung mehrerer Körpermerkmale der Rosenkäfer in Verbindung.

Die Flügeldecken liegen geschlossen, die Hinterflügel spannen sich heraus.
Auf der Aufnahme ist genau das zu sehen: Die Flügeldecken liegen geschlossen über dem Hinterleib, links und rechts spannen sich die Hinterflügel heraus, von kräftigen Adern gehalten.

Der metallische Glanz ist eine Strukturfarbe.
Die Cuticula reflektiert das Licht überwiegend zirkular polarisiert. Die meisten Tiere sind grün, es gibt aber auch rote und blaue.

Ein Präparat mit ausgebreiteten Flügeln entsteht nicht nebenbei.
In der Schmetterlingspräparation werden die Flügel auf einem Spannbrett ausgebreitet, mit Papierstreifen fixiert und trocknen wochenlang in dieser Haltung, bevor das Tier in die Sammlung kommt. In der digitalen Aufnahme bleiben Aderverlauf, die Punktierung des Halsschilds und die helle Behaarung der Unterseite sichtbar, ohne dass das Original noch einmal angefasst werden muss.
Ivo Jurisch, Sammlungsmanager Entomologie, beschreibt den entscheidenden Moment:
„Gespannt wird, solange das Tier noch weich ist. Danach trocknet es in genau dieser Haltung.“
So wird ein Merkmal, das man in der Natur nur im Flug zu sehen bekommt, zu einer Ansicht, die sich in Ruhe betrachten und vergleichen lässt.
Welches Detail fällt euch zuerst auf?
Mehr aus der Serie DoD Insight: Der Käfer, der aussieht wie Rinde und Die Biene, die im Dunkeln sieht.
📷 Sammlung Entomologie, Ordnung Coleoptera, Museum für Naturkunde Berlin. Fotos: Eran Wolff.