Die Biene, die im Dunkeln sieht

Kopf der Nachtbiene Megalopta armata in starker Vergrößerung, die drei glänzenden Punktaugen auf dem Scheitel sind deutlich erkennbar

Drei zusätzliche Augen auf dem Scheitel, und sie fliegt genau dann, wenn andere Bienen längst ruhen.

Auf dem Etikett steht Megalopta armata, eine neotropische Nachtbiene aus der Familie der Halictidae.

Nachtbiene Megalopta armata von oben mit ausgebreiteten Flügeln und Maßstab, Kopf und Thorax metallisch grün
Megalopta armata in der Aufsicht. Foto: Eran Wolff

Die Punktaugen liefern kein Bild, sondern Helligkeitswerte.

Die glänzenden Punkte auf ihrem Scheitel sind Ocellen, auf Deutsch Punktaugen. Bei Megalopta sind sie stark unterfokussiert und lösen keine räumlichen Details auf. Sie liefern also kein Bild, sondern Helligkeitswerte, und das sehr schnell: große Nervenzellen, wenige Synapsen, ein kurzer Weg zur Flugmuskulatur. Kippt das Tier in der Luft zur Seite, meldet dieser Kanal die Änderung deutlich früher, als die Facettenaugen sie verarbeitet hätten.

Kopf der Nachtbiene Megalopta armata von vorn mit langen Fühlern und metallisch grün schimmerndem Gesicht
Der Kopf von vorn. Foto: Eran Wolff

Nachtaktive Arten haben größere Ocellen.

Bei Arten, die nachts und in der Dämmerung unterwegs sind, fallen die Ocellen größer aus, denn größere Linsen sammeln mehr Licht. Megalopta ist die artenreichste Gattung nachtaktiver Bienen. Für eine Art dieser Gattung wurde gemessen, dass ihre Facettenaugen rund 27-mal lichtempfindlicher sind als die tagaktiver Bienen.

In der Sammlungsschublade sind die Ocellen kaum mehr als drei glänzende Pünktchen. Erst in der Aufnahme wird erkennbar, dass es Linsen sind.

Thorax und Bein der Nachtbiene Megalopta armata in starker Vergrößerung, der metallische Schimmer ist deutlich sichtbar
Der metallische Schimmer an Kopf und Thorax. Foto: Eran Wolff

Für Eran Wolff, Fotograf im Digitalisierungsteam von ELIO, lag die eigentliche Schwierigkeit an einer anderen Stelle:

„Der metallische Schimmer an Kopf und Thorax ist beim Fotografieren die eigentliche Schwierigkeit. Das Licht muss so geführt sein, dass die Farbe sichtbar bleibt und die Ocellen trotzdem nicht ausbrennen.“

Digitalisierte Objekte wie dieses sind die Grundlage, um Bestäuberfaunen weltweit zu vergleichen, gerade bei Arten, die nachts unterwegs und deshalb selten beobachtet sind.

Welche Fähigkeit von Insekten überrascht euch am meisten?

Mehr aus der Serie DoD Insight: Ein Fossil, das seit über 130 Jahren eine ganze Art definiert. und 12.000 Jahre alt. Und trotzdem kein Fossil.

📷 Ordnung Hymenoptera, Sammlung Hymenoptera und Neuropterida, Museum für Naturkunde Berlin. Megalopta armata Friese, 1926 (heute Megalopta genalis Meade-Waldo, 1916). Fotografiert von Eran Wolff.