Ein Bild und seine Verantwortung. Eine Glasplatte vom Tendaguru

Handkolorierte Glasplatte der Tendaguru-Expedition. Über einer weiten Savanne steigt eine große helle Rauchwolke von einem Grasbrand auf, am unteren Bildrand leuchtet die Feuerlinie orange und rot, rechts steht ein einzelner Baum. Unter der Platte klebt ein handschriftliches Etikett mit der Aufschrift Grasbrand vom Tendaguru aus gesehen.

Diese handkolorierte Glasplatte zeigt einen Grasbrand, aufgenommen während der Deutschen Tendaguru-Expedition im heutigen Tansania. Die Expedition fand zwischen 1909 und 1913 im damaligen Deutsch-Ostafrika statt. Aufgenommen wurde das Motiv in der Nähe des Berges Tendaguru, vermutlich von den Paläontologen Werner Janensch oder Edwin Hennig, die die Expedition leiteten, mit Kameras der Firma Voigtländer & Sohn.

Die Aufnahmen entstanden als Negative in Schwarzweiß auf empfindlichen Glasplatten. Erst später wurden sie im Museum von Hand koloriert. So bekam das Feuer seine Farbe, lange nach dem Moment, in dem es tatsächlich brannte.

Afrikanische Träger trugen die zerbrechlichen Glasplatten vier Tage weit ins Landesinnere.

Hinter dem stillen Bild steht eine Arbeitsrealität, die zur Geschichte kolonialer Expeditionen und damit auch kolonialer Gewalt gehört. Die gesamte Ausrüstung, darunter die zerbrechlichen Glasplatten und die Kameras, wurde von afrikanischen Trägern auf einem viertägigen Fußmarsch von der Küstenstadt Lindi bis zur Tendaguru-Formation getragen. Wer solche Objekte heute erschließt, macht auch diese Geschichte wieder sichtbar.

Ein Archivbild aus unserem Bestand wird zum Key-Visual einer Sonderausstellung.

Genau hier setzt die Digitalisierung an. Sie bewahrt das fragile Original, macht es zugänglich und schafft die Grundlage, es sorgfältig einzuordnen. Für das Deutsche Historische Museum wird das Bild K 002, 414 nun zum Key-Visual der Sonderausstellung „Umstrittene Verwandtschaft. Koloniale und nationalsozialistische Gewalt“, zu sehen ab dem 16. Oktober 2026. Ein Archivbild aus unserem Bestand tritt damit in einen neuen, kritischen Zusammenhang.

Ein genaues Aufnahmedatum ist für diese Glasplatte nicht überliefert.

Zu diesem Foto liegt kein genaues Aufnahmedatum vor. Sicher ist, dass es während der Tendaguru-Expedition zwischen 1909 und 1913 entstand. Die Glasplatten wurden zunächst in Schwarzweiß belichtet und erst im Museum von Hand koloriert.

Anfang 2027 veröffentlicht das Museum für Naturkunde Berlin das Projekt Digital Tendaguru. Dort wird das Foto im Kontext des Archivs und der paläontologischen Sammlung ausführlich eingeordnet und dauerhaft nachnutzbar.

Welche Rolle können Museumsarchive in der Aufarbeitung kolonialer Geschichte übernehmen?

Mehr aus der Serie DoD Insight: Der Dodo: Fragmente einer verlorenen Welt und Ein Fossil, das seit über 130 Jahren eine ganze Art definiert.

📷 Archiv Museum für Naturkunde Berlin, K 002, 414. Grasbrand vom Tendaguru aus gesehen, Tendaguru-Expedition 1909 bis 1913. Vermutlich fotografiert von Werner Janensch oder Edwin Hennig mit Kameras von Voigtländer & Sohn, später im Museum von Hand koloriert. Digitalisiert von Eran Wolff in hoher Auflösung mit der Fujifilm GFX100.