Millionen Fossilien liegen in naturkundlichen Sammlungen. Nur wenige von ihnen legen aber bis heute fest, was eine Art wissenschaftlich ausmacht, das sogenannte Typusexemplar.
Genau ein solches Stück haben wir jetzt digitalisiert, Pararaphistoma damesi, eine Meeresschnecke aus dem Ordovizium, die vor rund 465 Millionen Jahren im Urmeer des Baltischen Schildes lebte. Ernst Koken beschrieb die Art 1889 anhand dieses Exemplars und bildete es in seiner Publikation ab. Bis heute gilt dieses Stück damit als verbindlicher Referenzpunkt für die Art.
Sein Weg nach Berlin ist fast so bemerkenswert wie das Fossil selbst. Der Kalkstein entstand am Meeresboden des heutigen Ostseeraums. Während der Eiszeit transportierten Gletscher das Gestein als Geschiebe über weite Strecken nach Norddeutschland, bis es schließlich in Berlin Kreuzberg gefunden wurde, ein gut belegter Vorgang der Erdgeschichte.
Sammlungsmanager Andreas Rassuly ordnet den Wert des Stücks so ein:
„Ein Typusexemplar ist der feste Bezugspunkt einer Art. Auch nach mehr als hundert Jahren dient genau dieses Fossil noch als wissenschaftlicher Maßstab.“
Digitalisiert wurde nicht nur das Fossil selbst, sondern auch seine historischen Etiketten. Sie dokumentieren Fundort, Publikationsgeschichte und frühere Bearbeitungen und machen nachvollziehbar, wie sich Forschung an einem einzelnen Objekt über mehr als ein Jahrhundert entwickelt.
Was bedeutet es für die heutige Forschung, wenn die Definition einer Art an einem einzigen, 465 Millionen Jahre alten Fund aus einer Berliner Straße hängt?
📷 Pararaphistoma damesi (Koken, 1889), Typusexemplar
🌍 Fundort: Berlin Kreuzberg, Geschiebe aus dem oberen Orthocerenkalk
🕰️ Alter: ca. 465 Millionen Jahre, Ordovizium
🔬 Sammlung: Paläontologische Sammlung, Museum für Naturkunde Berlin
Fotografiert von Eran Wolff, Sedlar Wolff
