Fünf Methoden, ein Pangolin

Person fotografiert mit dem Smartphone ein Schuppentier zwischen zwei Softboxen, zwei Hände in blauen Handschuhen richten das Objekt aus

Was macht ihr, wenn das einzige verfügbare Digitalisierungswerkzeug ein Handy ist?

Für viele Institutionen weltweit ist das keine theoretische Frage. Genau da setzte ein Workshop bei uns im Naturkundemuseum an.

Im Rahmen von Digital Archive Footprints kamen Kolleginnen und Kollegen von Milele Museum (Kigali), The Space Botswana und Savvy Kwata nach Berlin. Der Wunsch: mehrere Objekte aus unserer Sammlung in 3D scannen. Ein Warzenschwein aus Ruanda, ein Schuppentier aus Kamerun. Objekte aus kolonialem Kontext, deren Wissen zurück in lokale Zusammenhänge soll.

3D-Aufnahme eines Schuppentiers mit dem Smartphone im Museum für Naturkunde Berlin.

Der eigentliche Kern war aber die Methode.

Bernhard Schurian hat am MfN fünf Wege parallel getestet: die Apps Polycam, Kiri Engine und Scaniverse, dazu manuelle Fotografie mit dem Handy und manuelle Fotografie mit einer DSLR. Das beste Ergebnis lieferte die manuelle Handyfotografie mit anschließendem Rendering in Metashape.

Was der Vergleich über die Werkzeuge selbst verrät.

Die Apps verlangen eine Anmeldung, nach der Testphase greift ein Bezahlmodell. Die Bilder werden hochgeladen und auf den Servern der Anbieter gerechnet, danach lädt man ein fertiges 3D-Modell herunter. Wie es zustande kommt, bleibt unsichtbar.

Für ein Museum ist das mehr als eine technische Randnotiz. Wenn wir Sammlungsobjekte digitalisieren, entstehen Forschungsdaten. Ein Verfahren, das niemand nachvollziehen kann, ist wissenschaftlich schwer zu verantworten. Und ein Werkzeug, das ein Abo voraussetzt, ist für Partnerinstitutionen mit knappen Mitteln keine dauerhafte Lösung.

Genau deshalb arbeiten wir bei ELIO daran, Digitalisierungstechnologie mitzugestalten statt sie nur einzukaufen. Methodenwissen ist dabei genauso übertragbar wie Hardware, oft sogar leichter.

Digital Archive Footprints wird über den TheMuseumsLab CollabFund der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Welche Digitalisierungsmethode nutzt ihr, wenn Budget und Ausrüstung begrenzt sind?

Mehr aus unserer Scanpraxis: Ein Jahr Digitale Carabus und Was können Museen voneinander lernen, wenn sie vor ähnlichen Fragen stehen?

📷 ELIO, Museum für Naturkunde Berlin.