Auf den ersten Blick wirkt dieses Objekt wie ein altes Stück Leder. Tatsächlich blicken wir auf die Haut eines Mylodon darwinii, eines ausgestorbenen Riesenfaultiers, das vor rund 12.000 Jahren durch Südpatagonien streifte.
Solche Funde sind außergewöhnlich. Während aus der Eiszeit meist nur Knochen erhalten bleiben, überdauerte in der trockenen Cueva del Milodón sogar Haut mit ihren eingelagerten Osteodermen, kleinen Knochenplättchen, die vermutlich dem Schutz des Tieres dienten.
Das rund 1,20 Meter lange Hautstück wurde in den 1890er Jahren vom schwedischen Polarforscher Otto Nordenskjöld gesammelt und gehört heute zur Paläontologischen Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin.
Für die Digitalisierung muss ein Objekt wie dieses mit größter Sorgfalt behandelt werden.
Aufgrund seines Alters und früherer Konservierung wird es ausschließlich mit Schutzhandschuhen bewegt und in einem speziell angefertigten Knochenbett gelagert.
Für Andreas Rassuly, Sammlungsmanager der Paläontologischen Sammlung, liegt genau darin die Besonderheit dieses Objekts:
„Viele denken bei der Paläontologie nur an Steine und Knochen. Dieses Mylodon Fell zeigt, dass unsere Sammlungen viel vielfältiger sind. Solche Weichteilerhaltungen stellen uns vor ganz eigene Herausforderungen bei Lagerung, Konservierung und Digitalisierung.“
Dieses Hautstück erzählt nicht nur die Geschichte eines ausgestorbenen Tieres. Es dokumentiert auch mehr als ein Jahrhundert Forschung. Bereits 1906 wurde es am Museum von Wilhelm von Branco geröntgt. Heute wird das Material unter anderem für die Alt DNA Forschung genutzt und weiterhin von internationalen Forschenden untersucht.
📷 Paläontologische Sammlung, Museum für Naturkunde Berlin
Mylodon darwinii, Cueva del Milodón, Patagonien
Fotografiert von Eran Wolff ( Sedlar Wolff ) im Rahmen der Digitalisierung der zoologischen Sammlungen.